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Frauenurinal
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Ein Frauenurinal ist ein Urinal, welches an die anatomischen Voraussetzungen von Frauen angepasst ist und die Miktion unter Vermeidung eines direkten Körperkontakts zum Objekt ermöglicht. Neben ausschließlich fĂŒr Frauen konzipierten Urinalen werden von verschiedenen Anbietern Unisex-Urinale vertrieben, die gleichermaßen von Frauen und MĂ€nnern benutzt werden können.

Urinale fĂŒr Frauen und Unisex-Urinale sind insgesamt weitaus weniger verbreitet als reine MĂ€nnerurinale, was zu einer Benachteiligung fĂŒr Frauen im öffentlichen Raum fĂŒhrt und einen Gegenstand öffentlicher Debatte und Kritik darstellt.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Seit den 2010er Jahren finden auch in westlichen LĂ€ndern Frauen- und Unisex-Urinale zunehmende Verbreitung, insbesondere bei mobilen Urinalen fĂŒr Festivals und Veranstaltungen, aber auch festinstalliert in öffentlichen Toiletten.cite-ref-sz2021-3-0[3]cite-ref-4[4]

Contents

‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Hintergrund

Die Erfindung und anfĂ€ngliche Entwicklung des Urinals orientierte sich ausschließlich an mĂ€nnlichen BedĂŒrfnissen, da allein fĂŒr MĂ€nner eine Teilhabe am öffentlichen Raum vorgesehen war. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden jedoch Modelle entwickelt, welche von Frauen oder von beiden Geschlechtern (bzw. Menschen mit Vulva) benutzt werden konnten. Mit wenigen Ausnahmen wurden diese EntwĂŒrfe jedoch nicht in die Massenfertigung ĂŒberfĂŒhrt, da Betreiber öffentlicher Toiletten keinen Bedarf und Hersteller keinen Markt fĂŒr diese, an die weibliche Anatomie, angepasste Produkte sahen (siehe Abschnitt: Geschichte).

Durch den geringeren Platzbedarf und die umstandslosere Benutzung fĂŒhren Urinale zu einer effizienteren Raumnutzung bei MĂ€nnertoiletten, bei gleicher RaumgrĂ¶ĂŸe können diese von mehr Personen gleichzeitig benutzt werden. In der Folge kommt es oft zu einer lĂ€ngeren Nutzungsdauer mit lĂ€ngeren Wartezeiten fĂŒr Frauen. DarĂŒber hinaus werden im öffentlichen Raum in vielen StĂ€dten Urinale zur VerfĂŒgung gestellt, die kostenlos nutzbar sind, jedoch aufgrund ihrer Bauweise nur von MĂ€nnern (bzw. Menschen mit Penis) genutzt werden können. Die von Frauen nutzbaren Toiletten hingegen finden sich seltener und sind kostenpflichtig.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]

Diese Ungleichverteilung bezĂŒglich der Anzahl und NutzungsqualitĂ€t geht mit klaren EinschrĂ€nkungen im öffentlichen Leben fĂŒr Frauen und entsprechend mit geschlechtsbezogenen Benachteiligungen einher. Die ĂŒber viele Jahrzehnte hingenommene Situation wurde seit der Jahrtausendwende zunehmend als Problem erkannt und thematisiert. Der Forderung von Frauen nach Gleichberechtigung wurde von Seiten der Politik entgegengehalten, dass ein stĂ€rkeres Entgegenkommen und mehr Urinale fĂŒr MĂ€nner dadurch gerechtfertigt seien, da diese sonst „wildpinkeln“ wĂŒrden. Nachdem 2015 die Studentin Geerte Piening fĂŒr „Wildpinkeln“ in Amsterdam eine Strafanzeige erhielt, als sie nach dem Feiern auf dem Nachhauseweg von der Polizei dafĂŒr angehalten wurde, fĂŒhrte dies zu grĂ¶ĂŸeren Protesten. Die Tatsache, dass gleiches Verhalten bei MĂ€nnern nicht verfolgt wurde, obwohl kostenfreie Urinale in der Stadt verbreitet sind, wurde als diskriminierend empfunden. Im Rahmen sogenannter Zeikwijf-Proteste riefen Aktivistinnen-Gruppen in Amsterdam Frauen zum Wildpinkeln und zur Benutzung der eigentlich fĂŒr MĂ€nner vorgesehenen Urinale auf,cite-ref-7[7]cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Ă€hnliche Proteste und Aktionen fanden auch in anderen StĂ€dten wie Berlin statt.cite-ref-10[10] Die angestoßenen Debatten fĂŒhrten ab den 2010er Jahren zu einer Wiederbelebung des Konzepts von Frauen- bzw. Unisexurinalen, welche fĂŒr alle Menschen gleichermaßen nutzbar sind.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]cite-ref-13[13]

Körperhaltung von Frauen bei der Miktion

FĂŒr Entwurf und Planung von Frauenurinalen ist im Vorfeld die Frage von Relevanz, welche Körperhaltung und Benutzungsweise am ehesten den erwartbaren BedĂŒrfnissen der Benutzerinnen entspricht.

In den 1970er Jahren wurden von Alexander Kira, Professor fĂŒr Architektur und Experte fĂŒr SanitĂ€rwesen, an der Cornell University Studien zum Miktionsverhalten beider Geschlechter durchgefĂŒhrt. Er verfolgte den Anspruch, SanitĂ€robjekte zu entwickeln, die auf den menschlichen Körper und seine BedĂŒrfnisse angepasst waren, und dabei auch mit konventionellen Gestaltungsvorgaben zu brechen.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15] Auf einer klassischen Sitztoilette wird die „korrekte“ Benutzung durch die Form des SanitĂ€robjekts vorgegeben. Kira ging unter anderem der Frage nach, welche Körperpositionen MĂ€nner und Frauen vorzugsweise einnehmen, wenn keine Ă€ußeren Vorgaben erfolgen, beispielsweise bei der Miktion in freier Natur. Er untersuchte die Trajektorien des Urinstrahls und deren Kontrollierbarkeit sowie Bequemlichkeit und gesundheitliche Aspekte verschiedener Körperpositionen. WĂ€hrend MĂ€nner in der Regel in stehender Körperhaltung urinieren und den Strahl dabei, mit der Hand steuernd, nach vorne leiten, nehmen Frauen vorzugsweise eine Hockposition ein. Dabei wird der Strahl durch die Haltung des gesamten Körpers kontrolliert und ist senkrecht nach unten bis schrĂ€g nach vorne gerichtet. Diese Position ist fĂŒr Frauen allgemein am bequemsten und geht mit der geringsten SprĂŒhstreuung einher.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]cite-ref-m-llring-18-0[18]

Hockpositionen können weiterhin in eine Vollhocke und eine Halbhocke differenziert werden. Bei einer Vollhocke sind die Beine maximal angewinkelt und das GesĂ€ĂŸ wird bis auf Knöchelhöhe dem Boden angenĂ€hert. Der Urinstrahl ist bei dieser Körperhaltung tendenziell senkrecht abwĂ€rts bis leicht nach vorne gerichtet. Diese Haltung wird von einigen Frauen durch ein ZurĂŒcklehnen bei gleichzeitigem AbstĂŒtzen mit den HĂ€nden variiert, wobei der Strahl stĂ€rker nach vorne gerichtet ist. In der Halbhocke, auch als Skifahr- oder Abfahrtsposition bezeichnet, befindet sich der Körper in einer eher stehenden Position mit leicht angewinkelten Beinen und nach vorne geneigtem Oberkörper. Der Urinstrahl ist bei dieser Körperhaltung tendenziell senkrecht abwĂ€rts bis leicht nach vorne gerichtet. Hockpositionen werden von Frauen bei der Miktion in der Natur, also außerhalb sanitĂ€rer Einrichtungen, eingenommen.cite-ref-m-llring-18-1[18]

Alle gĂ€ngigen Frauenurinale orientieren sich in ihrer Gestaltung an den von Frauen natĂŒrlicherweise eingenommenen Positionen und sind entsprechend fĂŒr die Benutzung in – abhĂ€ngig vom Modell – Halb- oder Vollhocke vorgesehen.

In einer von der Fachhochschule Gelsenkirchen in Kooperation mit der Hochschule der KĂŒnste Berlin durchgefĂŒhrten Studie zum Benutzungsverhalten von Toiletten gab ein Großteil der Frauen an, diese in der Halbhocke zu benutzen:

„Nicht einmal jede zehnte Benutzerin einer öffentlichen Toilette setzt sich immer auf den Toilettensitz; 69 % vermeiden die BerĂŒhrung grundsĂ€chlich. Um den Kontakt auszuschließen, greifen die Befragten in der Hauptsache zu zwei Methoden: 79 % derjenigen, die sich nicht auf den Toilettensitz setzen, benutzen die Toilette in der sogenannten ‚Skifahrhaltung‘, 17 % bedecken den WC-Sitz mit Papier.“

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Ute Alexandrowicz et al.

Bauweise und Benutzung gÀngiger Frauenurinale

Die heute angebotenen Modelle orientieren sich in ihrem Aufbau an der vorgesehenen Körperhaltung bei der Benutzung. Wie oben ausgefĂŒhrt kann dies die Halbhocke (die sogenannte Skifahrhaltung) oder die Vollhocke sein. Frauenurinale zur Benutzung in der Halbhocke sind meist an der Wand verankert und lehnen sich in Form und Gestaltung an MĂ€nnerurinale an.

In der Studie von Alexandrowicz et al. wurden die Frauen auch befragt, in welcher Körperhaltung sie sich am besten die Benutzung eines Frauenurinals vorstellen könnten, 81 % gaben dabei stehend bzw. in Halbhocke/Skifahrhaltung an und nur 19 % bevorzugten eine sitzende bzw. tief hockende Körperhaltung.cite-ref-alexandrowicz-19-1[19]

Die meisten heute eingesetzten Modelle sind auch so konzipiert, dass sie rĂŒckwĂ€rtsgewandt in einer leichten Halbhocke, der so genannten „Skifahrhaltung“, benutzt werden. Diese orientiert sich an der Haltung, die Frauen in der Regel auf herkömmlichen öffentlichen Toiletten einnehmen, sofern diese verschmutzt sind beziehungsweise ein Körperkontakt nicht gewĂŒnscht ist.cite-ref-m-llring-18-2[18]

DarĂŒber hinaus existieren Modelle, die in der Vollhocke benutzt werden, wie beispielsweise das seit 2018 verfĂŒgbare Missoir.cite-ref-20[20] Dieses ist flach in den Boden eingelassen, verfĂŒgt ĂŒber einen Spritzschutz und spezielle Membran-GeruchsverschlĂŒsse und funktioniert ohne WasserspĂŒlung. Die Benutzung des Missoirs erfolgt nach Angaben des Herstellers in der natĂŒrlichen Hockposition, welche Frauen auch ĂŒblicherweise in freier Natur einnehmen. Diese sei mit weniger Anspannung der Blasen- und Beckenbodenmuskulatur verbunden.cite-ref-21[21] Das Missoir kann stationĂ€r im öffentlichen und halböffentlichen Raum eingesetzt oder in bereits vorhandene ToilettenrĂ€ume eingebaut werden und gilt als â€žĂŒberfĂ€lliges Pendant zum Pissoir“.cite-ref-22[22]

Beide konkurrierenden Bauweisen werden als praktikabel erachtet. Die Stadt Berlin fĂŒhrte 2023 eine einjĂ€hrige Pilotphase fĂŒr die zukĂŒnftige Integration von Frauen- bzw. Unisexurinalen in die öffentlichen Toiletten der Stadt durch, wobei sowohl das Urinal von Finizio (Unisex-Urinal, welches von Frauen in Skifahrer-Position genutzt wird) als auch das Hockurinal Missoir (als Pendant zu klassischen MĂ€nner-Urinalen) gegeneinander getestet wurden. Beide Varianten wurden von den Nutzerinnen und Nutzern sehr gut angenommen, jeweils ĂŒber 90 Prozent gaben an, dass die Benutzung der Urinale sehr oder eher praktikabel ist.cite-ref-berlinurinal-23-0[23]

Vorteile im Vergleich zur Toilette

Urinale bieten gegenĂŒber Toiletten sowohl im Unterhalt als auch in der Benutzung verschiedene Vorteile. So sind sie platzsparender anzubringen, auf der GrundflĂ€che einer Toilettenkabine ließen sich mehrere Urinale installieren. Diese sind im Betrieb ökonomisch und ökologisch gĂŒnstiger zu betreiben, da im Vergleich zur Toilette weniger Wasser beim SpĂŒlvorgang gebraucht wird; moderne Trockenurinale wie das Missoircite-ref-25[25] kommen sogar ohne Wasser aus. FĂŒr die Benutzerinnen ergibt sich der Vorteil eines hygienischeren, weil kontaktlosen, Miktionsvorgangs.

Durch die bei gleicher GrundflĂ€che erhöhte Anzahl der BedĂŒrfnisstĂ€tten ergibt sich ein schnellerer Ablauf mit kĂŒrzeren Wartezeiten vor öffentlichen Toiletten. Zu zirka 90 % werden öffentliche Toiletten ausschließlich fĂŒr die Miktion (gegenĂŒber der DefĂ€kation) aufgesucht. Durch ein Ersetzen von Toiletten mit Urinalen wird die genutzte FlĂ€che erhöht. So ergab eine Studie der UniversitĂ€t Ghent, dass durch den Einbau von Urinalen bis zu 30 % mehr Personen gleichzeitig die Toiletteneinrichtung nutzen können.cite-ref-26[26]

Frauenurinale eignen sich besonders fĂŒr den Einsatz in öffentlichen Toiletten, die zu Stoßzeiten hoch frequentiert sind und mit einem großen Andrang rechnen mĂŒssen, also primĂ€r in Einrichtungen wie Diskotheken, Clubs oder sonstigen Orten mit hohem Nutzeraufkommen zu Stoßzeiten. DarĂŒber hinaus wurden mobile Frauenurinale fĂŒr den Einsatz bei Open-Air-Veranstaltungen Festivals entwickelt sowie freistehende Urinale im öffentlichen Raum.

Eine 2011 in Australien durchgefĂŒhrte Studie ergab, dass ĂŒber die HĂ€lfte der befragten Frauen ein Urinal benutzen wĂŒrden, wenn dieses verfĂŒgbar wĂ€re.cite-ref-kyriakou-24-1[24] Zunehmend werden inzwischen Forderungen nach einer “urination equality” – einer Gleichberechtigung beim Pinkeln geltend gemacht. So sorgte eine Grassroots-Kampagne in den Niederlanden fĂŒr Aufsehen, bei der Frauen die Urinale in MĂ€nnertoiletten benutzten.cite-ref-27[27]

Geschichte des Frauenurinals

Die Entwicklung in jĂŒngerer Zeit, zunehmend Urinale fĂŒr Frauen bzw. fĂŒr die Benutzung durch beide Geschlechter zu schaffen, stellt keine Revolution des SanitĂ€rbetriebs dar, wie dies von einigen Herstellern mitunter angedeutet wird. Vielmehr handelt es sich um die Renaissance eines Konzepts, dessen Wurzeln im 19. Jahrhundert liegen. So fanden in den Anfangstagen der öffentlichen Toiletten im ausgehenden 19. Jahrhundert Frauenurinale durchaus Verwendung; Urinale waren weniger als heutzutage ausschließlich mit MĂ€nnertoiletten assoziiert. Das Handbuch der Architektur aus dem Jahr 1897 weist „Frauenurinale mit automatischer SpĂŒlung“ aus, wobei auch zu jener Zeit die Vorteile in der weniger aufwendigen Installation und der Wassereinsparung gesehen wurden:

„„Dem Vorbilde Englands folgend, hat man in den letzten Jahren sogar Pissoirs fĂŒr das weibliche Geschlecht mit Erfolg angewendet. Diese bestehen aus sog. ‚Urinettes‘ oder Porzellan-Sitzbecken mit automatischer SpĂŒlung und werden besonders in den Aborten von Eisenbahn-WartesĂ€len, in GeschĂ€ftslĂ€den, wo viele Madchen beschĂ€ftigt sind, in TheatergebĂ€uden, wo ein großer Chor oder großes Ballett besteht, eingerichtet. [
] Solche ‚Urinettes‘ haben den großen Vortheil, daß sie dort aufgestellt werden können, wo ein 2-zölliges Abflußrohr vorhanden ist, wahrend die gewöhnlich von Frauen zum Urinieren benutzten SpĂŒlaborte ein 4-zölliges Abfallrohr verlangen.““

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Handbuch der Architektur: «EntwÀsserungsanlagen amerikanischer GebÀude», 1897

In Deutschland konnte sich das Frauenurinal zu jener Zeit nicht durchsetzen, sie wurden nur vereinzelt installiert. Im Jahr 1902 wurde in MĂŒnchen auf Initiative des Stadtbauamts der Beschluss gefasst, Frauenurinale flĂ€chendeckend in öffentlichen BedĂŒrfnisanstalten zu installieren. So findet sich in einem Schreiben an den Verwaltungsrat Kirchmair in ErlĂ€uterung des Plenarbeschlusses des Baumagistrats vom 13. Februar 1902:

„Es wurde von mehreren Seiten angeregt, die verschiedenen Klassen der Aborte aufzuheben, die Einrichtung gleichmĂ€ĂŸig zu gestalten und fĂŒr sĂ€mtliche Aborte, mit Ausnahme der Freiaborte, 5 Pfennig GebĂŒhr zu verlangen (das entspricht der II. Klasse), ferner Freiaborte in allen bestehenden Aborten einzurichten. Auch wurde von der Errichtung von Damenpissoirs, wie sich solche in anderen StĂ€dten finden, gesprochen.“

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Stadtarchiv MĂŒnchen 1902, zitiert nach Möllring (2003)

Diese Idee wurde weiterverfolgt, so dass sich in den Unterlagen des Baustadtrats vom 13. Januar 1906 PlÀne zur konkreten Umsetzung finden:

„Die Becken sollen aus Gußeisen hergestellt werden und mit EmailĂŒberzug versehen sein. Ein Sitzbrett ist nicht vorzusehen. Hingegen dĂŒrfte sich vielleicht empfehlen, ĂŒber dem Becken Messingstangen anzubringen, welche von einer Wand nach der anderen reichen und dort befestigt sind. Ältere und schwĂ€chliche Personen könnten an dieser Stange Halt gewinnen. FĂŒr beide Becken wĂ€re eine intermittierende SpĂŒlung eventuell alle 10 Minuten vorzusehen. [
] FĂŒr die ersten Versuche mit Aufstellung von «Frauenpißorten» dĂŒrfte es sich vielleicht empfehlen, die Standorte derselben in der NĂ€he von SpielplĂ€tzen zu wĂ€hlen, damit KindermĂ€dchen oder sonstige die Aufsicht ĂŒber die Kinder fĂŒhrende weibliche Personen dieselben benĂŒtzen könnten.“

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Stadtarchiv MĂŒnchen 1906, zitiert nach Möllring (2003)

In dem ArchitekturfĂŒhrer „MĂŒnchen und seine Bauten“ von 1912 wurden im Kapitel „BedĂŒrfnissanstalten“ die Frauenurinale in drei öffentlichen Toiletten (Lerchenfeldstraße, Ottostraße und Max-Weber-Platz) erwĂ€hnt. Diese waren, im Gegensatz zu den eigentlichen Toiletten, als „Freiaborte“, also zur kostenfreien Nutzung vorgesehen. Diese erfreuten sich großer Beliebtheit und wurden hochfrequentiert. Im Laufe der 1910er Jahre wurde der Ausbau nicht weiter vorangetrieben, da durch die kostenfreie Nutzung der Stadtkasse Gelder entgingen. Schließlich wurden die Freiaborte fĂŒr Frauen in kostenpflichtige Anstalten umgewandelt. Ein Antrag von einer ersten weiblichen StadtrĂ€tin MĂŒnchens im Jahr 1922 auf WiedereinfĂŒhrung dieser Freiaborte wurde von der rein mĂ€nnlich besetzten Direktion der Bade- und BedĂŒrfnisanstalten schon im Ansatz abgewehrt.cite-ref-m-llring-18-5[18]

Die Entwicklungen des frĂŒhen 20. Jahrhunderts wurden nun in Deutschland nicht weiterverfolgt; diese ersten AnsĂ€tze gerieten zunehmend in Vergessenheit. Bis in die 1970er Jahre waren in den USA Frauenurinale im Sortiment verschiedener Hersteller vorhanden, unter Anderen das Sanistand von American Standard Companies. Verschiedene Projektideen und Prototypen wurden in den 1980er und 1990er Jahren entwickelt, wie beispielsweise das FEMMEpissoire der amerikanischen Architektin und Designerin Yolande Danielscite-ref-29[29]. Diese wurden jedoch allesamt nicht ĂŒber das Entwurfsstadium hinaus produziert.

Erst seit der Jahrtausendwende und mit einem zunehmenden Bewusstsein fĂŒr Geschlechtergerechtigkeit auch im SanitĂ€rbereich wurde das Konzept „wiederentdeckt“ und es kamen Frauenurinale wieder vermehrt zum Einsatz, so dass mittlerweile verschiedene Hersteller diese in Serie produzieren und vertreiben.cite-ref-m-llring-18-6[18]

Modelle und Einsatzbereiche

Frauenurinale fĂŒr öffentliche Toiletten

In den 1990er Jahren wurden etliche Prototypen fĂŒr Damenurinale entwickelt, von denen es letztlich nur drei zur Marktreife schafften und heute Verwendung finden: das „Lady P“ von Sphinx Sanitair, das „Lady Loo“ von GBH sowie das „Girly“ von Ceramica Catalano, welches mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet wurde.cite-ref-30[30]

Im Jahr 2011 wurden in Frankfurt am Main auf den öffentlichen Toiletten testweise Frauenurinale eingefĂŒhrt.cite-ref-31[31]

Die meisten heute auf dem Markt erhĂ€ltlichen Frauenurinale sind wandmontiert und werden in einer halbhohen, „skifahrenden“ Position verwendet. In der Vergangenheit gab es Modelle, die in einer vollen Hocke verwendet wurden (Ă€hnlich wie asiatische Hocktoiletten) wie die „Peeandgo“ von Chen-Karlsson,cite-ref-32[32] die sich aber nicht am Markt etablieren konnten.

Mobile Frauenurinale fĂŒr den Außenbereich

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Hauptartikel

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Pollee

Insbesondere bei Großveranstaltungen unter freiem Himmel ĂŒbersteigt die Nachfrage sehr oft die VerfĂŒgbarkeit öffentlicher Toiletten. Dies fĂŒhrt zu langen Schlangen und damit verbundenen Wartezeiten, oftmals unzureichenden hygienischen VerhĂ€ltnissen in den portablen Toiletten sowie zum „Wildpinkeln“ außerhalb dafĂŒr vorgesehener Einrichtungen. Diesem Bedarf kommen in den letzten Jahren zunehmend mobile Frauenurinale fĂŒr den Außeneinsatz nach. Diese sind schnell zu errichten und kommen ohne WasserspĂŒlung aus.

Auf dem Roskilde-Festival 2011 wurde das weltweit erste mobile Urinal fĂŒr Frauen unter dem Namen Pollee vorgestelltcite-ref-33[33] und erwies sich als großer Erfolg.cite-ref-34[34] Das Pollee-Urinal ist vorwiegend fĂŒr Open-Air-Veranstaltungen, insbesondere Musik-Festivals vorgesehen und wird als Frauenurinal vertrieben, lĂ€sst sich prinzipiell jedoch auch als Unisex-Urinal nutzen.

Seit 2019 ist unter dem Namen LaPee das Nachfolgemodell im Einsatz. WĂ€hrend Pollee als Prototyp die Einsatzmöglichkeiten fĂŒr ein mobiles Frauenurinal testen sollte, kann LaPee industriell gefertigt werden und ist in die Systeme bestehender SanitĂ€ranbieter integrierbar.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]

Ähnlich dem LaPee wird seit 2020 von dem britischen Startup Peequal (engl. „pee“=Pinkeln, „equal“=Gleichheit) ein Frauenurinal fĂŒr den mobilen Einsatz auf Festivals entwickelt.cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]

Frauenurinale fĂŒr den öffentlichen und halböffentlichen Raum

Eine besondere Bauform stellt das seit 2018 verfĂŒgbare Missoir dar. Dieses Trockenurinal funktioniert durch den eingebauten Membran-Geruchsverschluss ohne WasserspĂŒlung.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]cite-ref-41[41] Anders als bei bisher verfĂŒgbaren Modellen werden Missoirs in der Vollhocke benutzt, wodurch der maximale Harnfluss höher und das Restharnvolumen in der Blase niedriger ist.cite-ref-42[42] Missoirs sind flexibel und stationĂ€r in Veranstaltungsorten, Clubs oder Parks einsetzbar. Allein in der Stadt Berlin existieren 20 Missoirs im öffentlichen oder halböffentlichen Raum.cite-ref-43[43]

Unisex-Urinale fĂŒr Frauen und MĂ€nner

Im Zuge der Entwicklung hin zu Unisex-Toiletten stehen Designer und Entwickler zunehmend vor der Herausforderung, geschlechtergerechte Lösungen zu schaffen. Verschiedene Modelle sind mittlerweile entstanden, die gleichermaßen von Frauen und MĂ€nnern bequem genutzt werden können. Das „Urin*all“ wurde von zwei Schweizer Industriedesignerinnen der FHNW Hochschule fĂŒr Gestaltung und Kunst in Basel entwickelt wurde: Frauen benutzen den vorderen Teil in Skifahrerhaltung, MĂ€nner aufrecht stehend, so dass die Möglichkeit des schnellen und berĂŒhrungslosen Urinierens fĂŒr Menschen jeden Geschlechts zur VerfĂŒgung steht – und damit mehr Geschlechtergerechtigkeit im öffentlichen Raum ermöglicht wird. Das Unisex-Urinal wurde nun von Valoo, dem Schweizer Netzwerk fĂŒr nachhaltige SanitĂ€rsysteme, mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Schweizer SanitĂ€rtechnikunternehmen Urimat weiterentwickelt.cite-ref-44[44]

Sowohl in Austin (Texas)cite-ref-austin-45-0[45] als auch in Berlincite-ref-bento-46-0[46] soll es in Zukunft Unisex-Toiletten mit Unisex-Urinalen geben, die von beiden Geschlechtern gemeinsam genutzt werden können.

In Berlin wurde mit dem Auslaufen des Betreibervertrages fĂŒr öffentliche Toiletten mit der Wall GmbH ein neues Toilettenkonzept fĂŒr den öffentlichen Raum der Stadt Berlin entwickelt. Wesentlicher Bestandteil der in Zukunft als Unisex-Toiletten geplanten Einrichtungen sind Urinale, die von beiden Geschlechtern genutzt werden können. Der Vorschlag der Planungskommission sah ursprĂŒnglich die Wahl des Girly von Catalano vor. Dieses sollte, obzwar als Frauenurinal konzipiert, auch von MĂ€nnern benutzt werden können.cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]

„Es gibt nĂ€mlich einige öffentliche Toilettenanlagen in der Stadt, die ausschließlich Pissoirs fĂŒr MĂ€nner anbieten und Frauen und ihre KlobedĂŒrfnisse völlig ausschließen. Das ist im Sinne der Gleichstellung nicht akzeptabel, urteilt der Senat. Weil man keine Heerscharen wildpinkelnder MĂ€nner in der Stadt will, werden die Anlagen klugerweise nicht geschlossen, sondern in Unisextoiletten umgewandelt, die von allen Geschlechtern genutzt werden können [
] Berlin hat sich des Problems jetzt heldenhaft angenommen und plant Urinale fĂŒr Frauen und MĂ€nner in allen öffentlichen Toiletten. Das steht im Toilettenkonzept fĂŒr Berlin, das der Umweltsenat mit der Firma Zebralog und der Technischen UniversitĂ€t Berlin letzte Woche vorgestellt hat. FĂŒr die Geschlechtergerechtigkeit [
] Der Vorteil des Frauenurinals ist, dass es den Urinstrahl frĂŒher auffĂ€ngt und so die ansonsten unvermeidliche Spritzerei vermeidet und so schlicht hygienischer ist. Das Urinal kann von beiden Geschlechtern benutzt werden. So ist an alles und jeden gedacht.cite-ref-49[49]“

Von 2023 bis 2024 wurden stadtweit an 24 verschiedenen Orten neue öffentliche Toiletten im Modellbetrieb errichtet. Diese wurden mit Urinalen ausgestattet, die unabhĂ€ngig vom Geschlecht benutzt werden können. In den Toiletten der Firma Finizio gibt es dafĂŒr ein Unisex-Urinal, wĂ€hrend die Firma EcoToiletten sich fĂŒr getrennte Steh- und Hockurinale entschieden hat. Beide Varianten wurden in einer einjĂ€hrigen Testphase evaluiert und im Ergebnis sehr gut angenommen: Jeweils ĂŒber 90 Prozent der Nutzerinnen und Nutzern gaben an, dass die Benutzung der neuen Urinale sehr oder eher praktikabel ist.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]cite-ref-berlinurinal-23-1[23]

GegenwÀrtige Verbreitung und aktuelle Entwicklungen

Im Gegensatz zu einigen asiatischen LĂ€ndern, wo Frauenurinale auf öffentlichen Toiletten eine grĂ¶ĂŸere Verbreitung haben, ist in Deutschland im stationĂ€ren Bereich der Anteil an Frauentoiletten mit Urinal nach wie vor gering. WĂ€hrend Urinale fĂŒr MĂ€nner nahezu flĂ€chendeckend in öffentlichen Toiletten zu finden sind, stellen Frauenurinale, die speziell fĂŒr die Benutzung durch Frauen konzipiert sind, jedoch immer noch ein Nischenprodukt dar. Einer grĂ¶ĂŸeren Verbreitung steht ein grundlegendes Problem entgegen: Seinen wesentlichen Vorteil des weitaus geringeren Platzbedarfs im Vergleich zur Toilettenkabine kann das Urinal nur ausspielen, wenn es nicht ebenso in einer Kabine untergebracht ist. Auf MĂ€nnertoiletten sind Urinale in aller Regel offen in Reihe angeordnet und, wenn ĂŒberhaupt, nur mit einer Sichtblende getrennt. In dieser Anordnung lassen sich wesentlich mehr Urinale als Toiletten pro FlĂ€cheneinheit unterbringen, mit entsprechend kĂŒrzeren Wartezeiten. Diese Art der (in westlichen LĂ€ndern) ungewohnten Nutzung stehen jedoch kulturell geprĂ€gte Konventionen und Körpernormen entgegen, die einer Umsetzung in offener Bauweise bisher entgegenstehen. In weit grĂ¶ĂŸerem Ausmaß als fĂŒr MĂ€nner wird Frauen in unserer Gesellschaft eine sozial-normative Erwartung auferlegt, den eigenen Körper bedeckt zu halten, und Körperfunktionen werden in grĂ¶ĂŸerem Maße tabuisiert. Diese sozialen Normen gehen mit internalisierter Körperscham einher. Was fĂŒr viele MĂ€nner NormalitĂ€t ist – vor den Augen anderer Personen zu urinieren, sei es in freier Natur oder am Urinal –, löst bei den meisten Frauen auch heutzutage Unbehagen und SchamgefĂŒhle aus.cite-ref-sz2021-3-1[3]cite-ref-52[52]

SanitĂ€rwissenschaftler, Designer und Hersteller haben Produkte fĂŒr Lebensbereiche entwickelt, in denen tradierte Normen und Konventionen die intendierte Nutzung weniger rigide einschrĂ€nken:

„TatsĂ€chlich scheint es fĂŒr die meisten Frauen undenkbar, sich in einem nach vorne offenen Raum zwischen zwei niedrigen TrennwĂ€nden zu erleichtern [
] Um etwas kulturell derart Ungewohntes in der breiten Bevölkerung zu etablieren, könnte man aber auch erst einmal dorthin schauen, wo es bereits funktioniert. Und sich an jenen orientieren, die per se offener sind fĂŒr innovative Lösungen: junge Menschen. Auf Festivals und Open-Air-Events gelten andere PrioritĂ€ten, pragmatische Lösungen sind willkommen.“

–

Seit den 2010er Jahren finden Frauenurinale ĂŒberwiegend im mobilen Außenbereich, auf Festivals, Konzerten und Großveranstaltungen eine stetig wachsende Verbreitung, da die Vorteile des Urinals, nĂ€mlich die schnelle, unkomplizierte und hygienische Benutzung sowie der geringere Platzverbrauch, genauso fĂŒr Frauen gelten. In zunehmendem Maße werden Urinale entwickelt, die fĂŒr alle Geschlechter nutzbar sind. Die Urinale werden bei VerfĂŒgbarkeit gut angenommen und verschiedene Umfragen ergeben eine positive Resonanz bei den befragten Frauen.cite-ref-sz2021-3-3[3]

Laut Mete Demiriz, Professor fĂŒr SanitĂ€r- und BĂ€dertechnik an der WestfĂ€lischen Hochschule Gelsenkirchen, stehen neben sozialen Konventionen auch ökonomische ErwĂ€gungen einer Verbreitung von Frauenurinalen entgegen:

„FĂŒr die Hersteller ist es nicht lukrativ, da sie mit jedem Frauenurinal weniger normale Toiletten verkaufen wĂŒrden. Sowohl die Auswahl als auch die Produktion von öffentlichen Toiletten ist außerdem eine MĂ€nnerdomĂ€ne. Wenn die Frauen da nicht krĂ€ftig mitmischen, wird daraus nichts. Es war einmal eine große deutsche Firma bei mir im Labor, die meine Entwicklung produzieren wollte. Es waren auch SekretĂ€rinnen da, die sie ausprobiert haben. Dann hat die Frau des Vorstandsvorsitzenden gesagt: ‚Was fĂŒr ein Quatsch, ich setze mich zu Hause immer drauf.‘ Damit war das wieder gestorben. Es ist aber ja gar nicht fĂŒr zu Hause gedacht.“

–

Mete Demiriz

So beschreibt auch die Autorin Caroline Criado-Perez in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“cite-ref-54[54] dieses Thema. Frauen stellten die HĂ€lfte der Weltbevölkerung dar und trotzdem lebe man in einer von mĂ€nnlichen Daten und BedĂŒrfnissen orientierten Welt. Da mĂŒsse sich etwas Ă€ndern, damit Frauenurinale genauso Standard werden, wie es das Pissoir fĂŒr MĂ€nner seit 200 Jahren ist.

Da die unzureichende Versorgung mit öffentlichen Toiletten in den LĂ€ndern des globalen SĂŒdens eine noch grĂ¶ĂŸere Problematik als in Westeuropa darstellt, werden in verschiedenen LĂ€ndern Konzepte entwickelt, wie Frauenurinale unter Aufwendung von wenig Kosten und Mitteln diese VersorgungslĂŒcke verringern können.cite-ref-55[55]

Konzepte zur weiteren Integration in öffentliche Toiletten

Die verstĂ€rkte EinfĂŒhrung von Frauenurinalen wird von verschiedenen Expertinnen und Organisationen zur Herstellung einer geschlechtergerechten SanitĂ€rsituation gefordert, wobei gleichwohl Probleme in der praktischen Umsetzung zu bewĂ€ltigen sind.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57]cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]

Momentan werden in der Praxis zwei unterschiedliche Anordnungen umgesetzt: in Reihenanordnung (in der Regel mit Sichtschutzwand als Trennelement), vergleichbar zu MĂ€nnerurinalen, und in Kabinen wie bei klassischen Toiletten. Ein Hauptvorteil gegenĂŒber der klassischen Toilette ist die geringe BauflĂ€che. WĂ€hrend bei einer Reihenanordnung die Anzahl der BedĂŒrfnisstĂ€tten merklich erhöht und damit eine schnellere Benutzung möglich wird, bleibt diese bei Kabinenanordnung gleich, wobei die klassische Toilette dabei noch in ihrer Funktion eingeschrĂ€nkt wird. Die Kabinenlösung wird öfters mit dem Argument verwendet, dass die Urinalbenutzung fĂŒr Frauen ungewohnt und mit SchamgefĂŒhlen verbunden sei. Dies jedoch ist auch bei MĂ€nnern oft der Fall, es bleibt allerdings immer die Möglichkeit, auf eine klassische Sitztoilette auszuweichen, sofern die Urinalbenutzung mit SchamgefĂŒhlen (z. B. bei Paruresis) verbunden ist.cite-ref-61[61]

Diese Problematik entsteht umso mehr im Rahmen der zunehmenden Entwicklung hin zu Unisex-Toiletten fĂŒr MĂ€nner und Frauen. Eine Zusammenlegung der Toiletten wirft die Frage auf, wie Urinale fĂŒr beide Geschlechter im Raum anzuordnen sind. WĂ€hrend Toiletten ĂŒblicherweise in Kabinen mit abschließbaren TĂŒren untergebracht sind, werden in geschlechtsgetrennten ToilettenrĂ€umen Urinale in der Regel frei im Raum in Reihenanordnung installiert. Diese Bauweise fĂŒhrt zu einem geringeren Platzverbrauch und somit zu mehr Möglichkeiten zum Urinieren, neben hygienischen und wirtschaftlichen GrĂŒnden ein Hauptvorteil der Urinale. Eine Möglichkeit bestĂŒnde darin, Urinale weiterhin in Reihenanordnung anzubieten. Diese könnten, ob getrennt in MĂ€nner- und Frauenurinale oder als Unisex-Urinale, durch sogenannte UrinaltrennwĂ€nde getrennt sein. Fraglich ist jedoch, ob die, gegenĂŒber herkömmlichen Toiletten, geringere PrivatsphĂ€re auf Akzeptanz stoßen wĂŒrde. Aufgrund soziokultureller Konventionen erscheint die offene, gemeinschaftliche Nutzung von Urinalen durch MĂ€nner und Frauen gegenwĂ€rtig fĂŒr viele Nutzer und Nutzerinnen ungewöhnlich. Eine Alternative wĂŒrde darin bestehen, Urinale fĂŒr beide Geschlechter zukĂŒnftig in Kabinen unterzubringen oder weiterhin nur fĂŒr MĂ€nner anzubieten. Damit wĂ€ren jedoch die oben genannten Vorteile der Urinale zumindest eingeschrĂ€nkt.cite-ref-jetzt-53-1[53] Der Jurist, Autor und Moderator Marcus Werner sieht entsprechend einen wesentlichen Nachteil in Unisex-Toiletten, wenn diese zu einer Abschaffung der Urinale in klassischer Reihenanordnung fĂŒhren wĂŒrden:

„Deshalb wĂ€re es sehr, sehr traurig, wenn der Unisex-Klo-Trend am Ende dazu fĂŒhrt, dass MĂ€nner in der Schlange stehen mĂŒssen, weil jedes Urinal in einer Kabine untergebracht wĂ€re, was die Anzahl der Becken dramatisch verringern wĂŒrde. Das wĂ€re in Summe ĂŒber alle Gender gerechnet Zeitverschwendung. MĂ€nner verlieren Zeit, ohne dass Frauen welche gewinnen [
] Dort kann es ja gerne Unisex-Urinale geben. Aber bitte außerdem noch die ergonomisch in Reihe montierbaren (MĂ€nner-)Pissoire. Das entlastet alle.“

–

Marcus Werner

In Kabinen angeordnete Urinale konnten sich in bisherigen Konzepten oftmals nicht durchsetzen, die Vorteile gegenĂŒber herkömmlichen Toiletten waren aufgrund des gleichbleibenden Platzbedarfs nicht ersichtlich.cite-ref-63[63] Nach 13 Jahren wurden im August 2015 mangels Interesses die vier Damen-Urinale im Salzburger Kongresshaus entfernt. Sie wurden wieder durch herkömmliche Sitzklosetts ersetzt.cite-ref-64[64]

In den 2017 fĂŒr Austin (Texas) geplanten Unisex-Toiletten sollen sich die Urinale in einem vom Eingangsbereich durch eine TĂŒr abgetrennten Bereich befinden. Diese werden als Unisex-Urinale ausgelegt und sind innerhalb dieses Bereichs offen in Reihe angeordnet.cite-ref-austin-45-1[45]cite-ref-65[65] Damit wĂŒrden (sofern nicht eine, weiterhin vorhandene, Toilettenkabine aufgesucht wird) MĂ€nner und Frauen gemeinsam nebeneinander frei im Raum befindliche Urinale benutzen. Dem planfĂŒhrenden Architekten Richard Weiss zufolge wĂŒrde somit eine grĂ¶ĂŸtmögliche Wahlfreiheit fĂŒr alle Geschlechter geschaffen:

„Das ultimative Ziel ist, dass jeder in der Lage sein sollte, das zu tun, was er tun möchte, wo er es tun will.“

–

Richard Weiss

Siehe auch

‱ Bourdalou
‱ Urinella

Literatur

‱ D. Kyriakou, J. Jackson: We Know Squat About Female Urinals. In: Plumbing Connection. Herbst 2011, S. 54–59.
‱ B. Möllring: Toiletten und Urinale fĂŒr Frauen und MĂ€nner: die Gestaltung von SanitĂ€robjekten und ihre Verwendung in öffentlichen und privaten Bereichen. Dissertation an der UniversitĂ€t der KĂŒnste Berlin, FakultĂ€t Gestaltung. 2003. (Originaldokument)

Weblinks

Commons

: Frauenurinale

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Gleichberechtigung auf dem Klo – Urinale fĂŒr alle! – Deutschlandfunk Nova
‱ „Der Name ‚Frauenpissoir‘ kann abschrecken“ – Die Frauenurinale in Berlin sind gerade ein großes Thema. Ein SanitĂ€rforscher erklĂ€rt, was dafĂŒr und dagegen spricht. – Jetzt
‱ Urinal fĂŒr Frauen – Deutschlandfunk
‱ In Berlin dĂŒrfen Frauen kĂŒnftig im Stehen pinkeln – Wienerin.

Einzelnachweise

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cite-note-22. ↑ Brauer, E.(2020): Toiletten - Die Materialisierung eines WechselgefĂŒges von Raum und Geschlecht. In: Pissen* ist politisch: Feministische und kritisch-geographische Perspektiven auf Geographien der Notdurft.
cite-note-sz2021-33. ↑ Urinale fĂŒr Frauen: Dringendes BedĂŒrfnis – Lange Warteschlangen, Ekel vor Klobrillen: Das Konzept Damentoilette ist veraltet, zeitgemĂ€ĂŸe Lösungen mĂŒssen her. Aber ist die Gesellschaft bereit fĂŒr das Frauenurinal? – SĂŒddeutsche Zeitung
cite-note-44. ↑ Frauen-Urinale: WĂŒrdevoll, sicher und zeitsparend zur Toilette - Frankfurter Rundschau
cite-note-55. ↑ Urinale fĂŒr Frauen: Die Kieler Woche ist erst der Anfang - Die pinken Lapees sorgen in Kiel fĂŒr viel GesprĂ€chsstoff. Doch auch wenn es erst einmal gedankliche Überwindung kostet: Urinale fĂŒr Frauen im öffentlichen Raum sind ein Thema, das anzugehen sich lohnt. - NDR
cite-note-66. ↑ Die Entwicklung der Urinale fĂŒr Frauen - NDR
cite-note-77. ↑ [Nach dieser Logik mĂŒssten Frauen in Massen auf die Straße pinkeln Pipi-Protest gegen Toilettenmangel: Frauen pinkeln in Pissoirs] - Stern
cite-note-88. ↑ Nach dieser Logik mĂŒssten Frauen in Massen auf die Straße pinkeln - Welt
cite-note-99. ↑ Pee'd off: Dutch women test urinals in public loo protest - France24
cite-note-1010. ↑ Berliner demonstrieren fĂŒr gleichberechtigtes Pinkeln - FAZ
cite-note-1111. ↑ Gleichberechtigung auf dem Klo: Urinale fĂŒr alle! - Deutschlandfunk Nova
cite-note-1212. ↑ Urinal fĂŒr Frauen Schluss mit der Schlange vor dem Damenklo - Deutschlandfunk Kultur
cite-note-1313. ↑ Gleichberechtigung bei öffentlicher Infrastruktur Amsterdam: Wildpinklerinnen protestieren mit Erfolg - Deutschlandfunk Nova
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cite-note-622. Markus Werner: Berlins Pissoire fĂŒr Frauen: ein gutes „GeschĂ€fts-Modell“? Die Stadt Berlin will mit ihrem neuen sogenannten „Toiletten-Konzept“ Frauen zu gleichberechtigten Stehpinklern machen. Mit speziellen Urinalen. Unser Kolumnist ist ein Mann – und hat dazu eine Meinung In: Wirtschaftswoche. Abgerufen am 16. Dezember 2017.
cite-note-6363. ↑ Urinal fĂŒr Frauen – Deutschlandfunk
cite-note-6464. ↑ Kongresshaus: Damen-Urinale werden entfernt. In: orf.at, 12. August 2015, abgerufen am 23. August 2015.
cite-note-6565. ↑ Alamo Drafthouse founder proposes gender-neutral bathroom design – Fox News